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Modul 1 – Was ist Vibe Coding?

🏠 Kursübersicht · Modul 1 von 8


🎯 Lernziele

Nach diesem Modul kannst du …

⏱️ Zeit: ca. 25 Minuten · Voraussetzungen: keine


Die Grundidee

Beim klassischen Programmieren schreibt ein Mensch jede Codezeile selbst. Beim Vibe Coding drehst du das um:

Du beschreibst in Alltagssprache, was eine Anwendung tun soll – die KI schreibt den Code. Du testest das Ergebnis und sagst der KI, was sich ändern soll.

Der Begriff stammt von Andrej Karpathy (Anfang 2025). Er beschrieb damit seine eigene Arbeitsweise als erfahrener Entwickler: Man „vergisst die Existenz von Code fast” und konzentriert sich nur noch auf das Ergebnis:

„I just vibe. I’m not really writing code.”

Wichtig zur Einordnung: So arbeitet jemand, der jede Zeile jederzeit selbst lesen und prüfen könnte. Zum Lernen gehen wir in diesem Kurs deshalb bewusst einen Schritt weiter: Du nimmst Vorschläge der KI an und lässt Fehler von ihr beheben – aber du lässt dir erklären, was entstanden ist, und prüfst und beurteilst das Ergebnis selbst.


Der 4-Schritte-Zyklus

Vibe Coding läuft fast immer nach demselben Muster ab. Diesen Zyklus wirst du in allen Praxis-Modulen wiedererkennen:

Schritt Was du tust
1. Beschreiben Formuliere in natürlicher Sprache, was die Anwendung können soll.
2. Generieren lassen Die KI erzeugt eine erste Version des Codes.
3. Testen Ergebnis ausführen/öffnen und prüfen: Tut es, was es soll?
4. Nachsteuern Fehler oder Wünsche beschreiben – nicht den Code debuggen, sondern das Verhalten korrigieren. Dann zurück zu Schritt 2.
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   │                                             ▼
1. Beschreiben → 2. Generieren → 3. Testen → 4. Nachsteuern

Das Entscheidende: In Schritt 4 beschreibst du das Problem, nicht die Lösung. Statt „ändere Zeile 12” sagst du: „Die Suche findet keine Treffer, wenn ich groß schreibe – mach das bitte egal.”


Eine Verschiebung, kein Verlust

Wenn die KI den Code schreibt, ändert sich die wichtigste Frage:

Nicht mehr: „Kannst du eine Schleife programmieren?” Sondern: „Kannst du beschreiben, was die Anwendung tun soll, das Ergebnis kritisch prüfen und Schritt für Schritt verbessern?”

Das ist keine Entwertung des Programmierens, sondern eine Kompetenzverschiebung:


Der berechtigte Einwand: Lernt man dabei überhaupt noch etwas?

Ein Einwand, der in Fortbildungen regelmäßig kommt – und der ernst genommen werden muss:

„Wenn die KI den Code schreibt, geschieht das Lernen ja quasi nebenbei. Hat die KI etwa den ersehnten Nürnberger Trichter bereitgestellt?”

(Der „Nürnberger Trichter” steht sprichwörtlich für die Idee, Wissen ließe sich ohne eigene Anstrengung „eintrichtern”.)

Die ehrliche Antwort hat zwei Teile.

Erstens: Der Einwand trifft ein reales Risiko. Wer nur generieren lässt, kopiert und abgibt, lernt dabei tatsächlich fast nichts. Einen Nürnberger Trichter gibt es auch mit KI nicht – Lernen braucht eigene, aktive Denkarbeit.

Zweitens: Genau diese Denkarbeit steckt im Zyklus – in den Schritten 1, 3 und 4.

Schritt Die Denkarbeit dahinter
1. Beschreiben Ein Problem so präzise fassen, dass es lösbar wird – das ist Modellbildung.
3. Testen Vorher eine Erwartung formulieren, dann das Ergebnis prüfen – das ist Hypothesenprüfung.
4. Nachsteuern Abweichungen analysieren und in genauere Sprache übersetzen – das ist Fehleranalyse.

Lernen geschieht also nicht nebenbei, sondern dann, wenn diese Schritte sichtbar und verbindlich gemacht werden. Zwei Konsequenzen für diesen Kurs:

Und genauso ehrlich: Etwas geht auch verloren. Wer ausschließlich per Vibe Coding arbeitet, trainiert keine Syntax-Routine und kein Detailverständnis des Codes. Für Prototypen und kleine Werkzeuge ist das verschmerzbar – wer Informatik vertieft lernen will, braucht zusätzlich klassisches Programmieren.


Vibe Coding ist nicht für alles geeignet

Vibe Coding ist großartig für Prototypen, persönliche Werkzeuge und schnelles Ausprobieren. Kritisch wird es bei „echter” Software, die andere Menschen produktiv nutzen: Ohne sorgfältige Prüfung entstehen schnell versteckte Fehler und Sicherheitslücken. Deshalb unterscheidet man:

  Vibe Coding AI-Assisted Engineering
Wofür? Prototypen, Experimente, persönliche Tools Produktive Software, Teamprojekte
Verantwortung? Die KI macht den Code Der Mensch behält Kontrolle und prüft (Review)
Risiko? Versteckte Fehler, Sicherheitslücken Aufwändiger, braucht mehr Fachwissen

In diesem Kurs bleiben wir bewusst im Bereich Vibe Coding – kleine, sichtbare Projekte zum Lernen. Worauf man bei der Sicherheit achten muss, klärt Modul 6.


🎬 Video zum Einstieg

Ein gut erklärtes Video zum Thema (öffnet auf YouTube):

Video: Vibe Coding erklärt


🛠️ Praxis: Kein Code – nur Beobachten

Du brauchst noch kein Werkzeug. Lies diesen kurzen Dialog und ordne jede Zeile einem der vier Schritte zu:

Mensch: „Bau mir eine Webseite mit einer To-do-Liste, bei der ich Aufgaben abhaken kann.” KI: (erzeugt die Datei index.html) Mensch: (öffnet die Datei im Browser und klickt herum) „Hmm, abgehakte Aufgaben bleiben sichtbar.” Mensch: „Lass abgehakte Aufgaben durchgestrichen und etwas blasser erscheinen.” KI: (ändert den Code)

Aufgabe: Welche Zeile ist Beschreiben, welche Generieren, welche Testen, welche Nachsteuern?

✅ Lösung anzeigen 1. „Bau mir eine Webseite …" → **Beschreiben** 2. „(erzeugt `index.html`)" → **Generieren lassen** 3. „(öffnet im Browser, klickt herum) Hmm, abgehakte Aufgaben bleiben sichtbar." → **Testen** 4. „Lass abgehakte Aufgaben durchgestrichen … erscheinen." → **Nachsteuern** (Verhalten beschrieben, nicht Code) → danach wieder **Generieren**.

💡🎓 Hinweise

💡 Für Schüler: Du musst nicht „gut in Mathe” oder „ein Computer-Nerd” sein, um mit Vibe Coding etwas zu bauen. Wichtig ist, dass du genau beschreiben kannst, was du willst – und neugierig genug bist, Dinge auszuprobieren.

🎓 Für Lehrkräfte: Die Kompetenzverschiebung ist der didaktische Kern. Bewertet werden sollte später nicht die Code-Qualität, sondern der Prozess: Problembeschreibung, Testen, Iteration, kritische Reflexion. Mehr dazu in Modul 7.


✅ Selbstcheck

1. Was ist der Kern von Vibe Coding in einem Satz?

Lösung Man beschreibt in natürlicher Sprache, was eine Anwendung tun soll; die KI schreibt den Code, den man dann testet und durch weiteres Beschreiben verbessert.

2. Nenne die vier Schritte des Zyklus in der richtigen Reihenfolge.

Lösung 1. Beschreiben → 2. Generieren lassen → 3. Testen → 4. Nachsteuern (und zurück zu 2).

3. Warum ist Vibe Coding eher für Prototypen als für Produktionssoftware geeignet?

Lösung Weil ohne sorgfältige Prüfung (Review) leicht versteckte Fehler und Sicherheitslücken entstehen. Für produktive Software braucht es „AI-Assisted Engineering", bei dem der Mensch die volle Verantwortung für Architektur und Qualität behält.

4. Jemand wendet ein: „Mit KI geschieht das Lernen ja nebenbei.” Was antwortest du?

Lösung Nebenbei lernt man auch mit KI nichts – das Risiko des gedankenlosen Kopierens ist real. Aber die Denkarbeit verschwindet nicht, sie steckt in den Schritten Beschreiben (Modellbildung), Testen (Hypothesenprüfung) und Nachsteuern (Fehleranalyse). Lernen findet statt, wenn diese Schritte sichtbar und verbindlich gemacht werden – etwa indem der Prozess bewertet wird statt des Codes (siehe Modul 7).

📋 Aufgaben

Abhaken speichert direkt in dieser Datei. In MindGraph Notes erscheinen diese Aufgaben automatisch im Tasks-Widget und am Fälligkeitstag im Focus. Übersicht & Kursfahrplan: Aufgaben.md.


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